Bericht eines jungen Refugee über Angriff am 28. Juli 2017 in Bautzen

Schon gestern am Abend erhielt ich erste Sprachnachrichten über einen Angriff in Bautzen, junge Menschen mit Bierflaschen seien rechte Parolen pöbelnd durch die Gassen gezogen. Das Polizeiaufgebot in der Stadt sei höher gewesen. Täglich stehen seit dem vergangenen September in den Abendstunden Polizisten auf dem Kornmarkt. Ich konnte und wollte diese Infos nicht direkt verbreiten. Mit jedem Tweet kann man noch mehr Rechte aus den Häusern locken. Gemeinsam mit anderen Menschen habe ich aber entschieden, genau wie gestern das kurze Interview zu der vorhergehenden Nacht, abermals einen kurzen Text zu veröffentlichen. Ich sprach heute eine Stunde mit einem gestern angegriffenen jungen Mann. Ein Freund übersetzte, wenn es zu komplex wurde. Dabei ist sein Bericht des gestrigen Abends entstanden, den ich hier veröffentliche. Entgegen des gestrigen Interviews verzichte ich aber zum Schutz der Person auf die Nennung des Namens. Das ganze ereignete sich am 28. Juli 2017 vor 21.30 Uhr in Bautzen.

Ich bin vom Kornmarkt zurück nachhause gelaufen. Ein Freund war bei mir. Auf der Steinstraße ist ein schwarzes Auto an uns vorbeigefahren. Der Fahrer hat das Fenster herunter gemacht. Er sagte Dinge wie „Verpiss Dich!“ zu mir, zeigte mir seinen Mittelfinger, nannte mich Schwarzer und hat auf mich geschaut. Auf der Höhe des Steinhauses [Anm.: Soziokulturelles Zentrum] hielt das Auto an. Drei Männer stiegen aus dem Auto aus und kamen zu mir. Die Männer sprachen etwas. Sie sagten, ich sollte stehen bleiben. Dann machten zwei der Männer mein Fahrrad kaputt. Sie traten auf das Fahrrad und warfen es auf den Boden. Der dritte Mann nahm Pfefferspray heraus. Ein anderer Mann nahm einen schwarzen Gegenstand aus seiner Tasche. Ich vermute, dass es ein Elektroschocker war. Der Freund, der mich begleitete, war in der Zwischenzeit davon gerannt. Ich lief zum Holzmarkt, die Männer verfolgten mich. Vor dem Lidl und am Holzmarkt waren Menschen, die sagten, dass die Nazis mich in Ruhe lassen sollen.

Am Holzmarkt ist eine Shisha-Bar. Dort saßen Freunde von mir, sahen mich durch das Fenster und kamen heraus. In diesem Moment kam das schwarze Auto wieder. Die Nazis stiegen ein und fuhren. Ich ging mit meinen Freunden zurück zum Steinhaus. Ich wollte mein Fahrrad holen. In dem Moment kam ein Polizeiauto. Das wollte vorbeifahren. Ein Freund schlug auf die Motorhaube, damit das Polizeiauto anhält. Es hielt an. Mein Freund erzählte der Polizei, dass die Nazis mein Fahrrad kaputt gemacht haben.

Die Polizisten baten mich zur Seite und kontrollierten mich. Sie kontrollierten meine Tasche, meine Mütze, tasteten mich ab. Auch meine Freunde wurden kontrolliert. Die Polizisten fanden nichts. Zwei Polizisten waren bei uns. Zwei weitere Polizisten waren in die Richtung gegangen, in der die Nazis waren. Ob sie kontrolliert wurden, weiß ich nicht.

Ich habe der Polizei dann erzählt, was passiert war. Die Polizei fragte, wer es gesehen hat. Ich nannte meine Freunde. Ich sollte die Männer, die mich angegriffen haben beschreiben. Ich beschrieb die Männer. Ein Polizist zeigte mir dann ein Bild auf einer Kamera und fragte, ob es der Mann gewesen sei. Er war dabei.

Die Polizisten füllten dann noch ein Papier [Anm. Strafantrag wegen Sachbeschädigung] aus und gaben es mir. Sie sagten mir dann, dass ich jetzt nachhause gehen müsse bis zum Morgen. Wenn sie mich in der Nacht wieder sehen, würden sie mir ein Bett auf der Wache geben.

Das schwarze Auto der Nazis kam wieder. Ich sagte der Polizei, dass das Auto gewesen sei. Sie sagte, dass es nicht meine Sache sei und ich nachhause gehen müsse, da ich einen Platzverweis habe. Aus dem Auto stiegen Menschen und redeten mit der Polizei.

Ich ging nachhause!

3 Gedanken zu „Bericht eines jungen Refugee über Angriff am 28. Juli 2017 in Bautzen“

  1. Die BZ POLIZEI sind das letzte, bewusst wurde mir das , als mein Kumpel und ich am Samstag morgen Ca 2uhr von Party kamen . Sind wir in eine normale Person Kontrolle geraten. Auf Grund von eddings in mein Gepäck und eines vor zwei Tagen geschenkten Hanfblatt-stickers den mein Kumpel hatte, mussten wir mit auf die Wache ,(nebenbei sammelten sie ein Flüchtling ohne Papiere ein). Ich wurde registriert, während mein Kumpel mit Flüchtling u. Polizei zu Aufnahme warteten . Kumpel erzählte das der Flüchtling von ‘ner Gruppe Bullen gemoppt wurde.
    Einer sagte zu ihn, “Boar Du stinkst ja schlimmer wie mein hund” darauf ihn ein anderer bulle anfurzte und meinte “so ,jetzt hab ich auch meine Marke gesetzt.

    Also was läuft nur mit der “gerechtigkeit” ab , die jeglichen Respekt und die unantastbare Würde des Menschen verloren haben.???

    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1263077933819822&id=100003528811973

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