Bautzen und die Sorge ums Image – eine Initiativbewerbung als Marketingleiter von Siegfried Heilmann (Gastbeitrag)

Dieser Beitrag kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker.

Bewerbung als Marketingleiter

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich auf die bald entstehende Stelle als Leiter des Stadtmarketings bewerben. Meine persönlichen Daten können sie meinem Lebenslauf entnehmen. Lassen sie mich Ihnen hier lieber meine Vision für Bautzen vorstellen.

Wir müssen die Schwächen der Stadt in Stärken umwandeln. So  macht es beisspielsweise die Biermarke Sternburg. Jedem ist klar, dass Sternburg nur von Punks und Hartzern getrunken wird. Und genau damit wirbt Sternburg. Bautzen hat kein Naziproblem, Bautzen hat eine Zielgruppe: auf RECHTE Deutsche.

Unter dem Titel: „1000jähriges Deutschland – 1000jähriges Bautzen“ möchte ich eine Imagekampagne starten, die unsere Stadt ins rechte Licht rückt. Griffige Slogans wie „Bautzen: ganz rechts in Sachsen“ oder „Brown Under“ sollen die Marke Bautzen bei unserer Zielgruppe populärer machen.

Der besondere Fokus liegt dabei auf dem Tourismus. Konservative Besucher werden von Deutschen Führern zu unseren berühmtesten Sehenswürdigkeiten geführt: Dem Husarenhof und der Platte. Hier könne sie live miterleben, wie die Lügenpresse und Linksfaschisten die Stadt belasten. Wer es außergewöhnlich mag, kann auf Jagd gehen: Zur Wahl stehen, Asylanten, Sorben und Linke. In der Öffentlichkeit sollte aber nicht Jagden gesprochen werden. Das sorgt nur für Unmut bei den Gutmenschen. Stattdessen sollten wir von einem Abenteuerurlaub für eventbetonte Touristen sprechen. Die aufregenden Tage können unsere Gäste gemeinsam mit Einheimischen folkloristisch mit Bier und schwarz-weiß-roter Strickmütze auf der Platte ausklingen lassen.

Um diese Vision wahr werden zu lassen, muss das Erscheinungsbild der Stadt aber minimal angepasst werden. Zweisprachige Schilder verwirren unsere Gäste nur. Das klingt so ausländisch. Dieser Aufwand dürfte aber nicht allzu groß sein, denn die Stadtverwaltung geht hier schon teilweise mit gutem Beispiel voran und nutzt in ihren eigenen Räumlichkeiten schon einsprachige Schilder.

Ich hoffe Sie von meiner Vision überzeugt zu haben und freue mich auf ein Vorstellungsgespräch.

Mit freundlichem Gruße
Siegfried Heilmann

 

Gastbeitrag von Marcel Fischer

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