Ein Tweet unter vielen… 

Derzeit erhitzt ein Tweet die Gemüter in Bautzen. Er erhielt damals kaum Aufmerksamkeit auf Twitter. Erst nachdem er als Screenshot auf Facebook immer wieder (und auch gerade jetzt wieder) geteilt wurde, wird er in Bautzen immer wieder von einigen Menschen als „Prototyp“ für mein Twitterverhalten angesehen und missbraucht. Ich möchte deshalb hier kurz auf den damaligen Tweet und seinen Kontext eingehen und im Anschluss einen sehr, sehr kurzen Einblick in meine „Twitterverhalten“ der letzten Monate geben – einen Eiblick in das, was ich auf meinem Account alles teile und dokumentiere, damit sich vielleicht der eine oder die andere ein Bild davon machen kann, was ich hier auf Twitter so treibe. Das geht übrigens auch ohne Anmeldung bei Twitter jederzeit unter https://twitter.com/Schmanle oder über die linke Seitenleiste hier auf dem Blog.

Zunächst zu dem besagten Tweet: Am Bahnhof in Gießen stehend, nach einer Woche Urlaub bei meinen Eltern im September 2017, sollte es zurück nach Bautzen gehen. Etwas genervt, von der Strecke und der geplanten Fahrtdauer twitterte ich ein Bild des Bahnhofes in Gießen, die Streckenführung der damaligen Fahrt und „zurück nach ‚Brown under‘“. Diese Bezeichnung hatte ich zuvor bei einem Bautzener aufgeschnappt, der erzählte, dass dies Bezeichnung seiner Dresdner Freunde für die Spreestadt sei.

Gut zwei Stunden später erhielt ich die Frage, ob denn „Vorfreude“ mitfahre. Das beantwortete ich in der Weise, wie es auf der Abbildung zu sehen ist. Darin bezeichnete ich Bautzen als „ätzende Stadt“. Das war ein Moment, ein Gefühl, eine Antwort auf die Frage, ob Vorfreude mit an Bord sei. Sie war es nicht! Ich hatte im Zug gerade Artikel über eine in Bautzen zu Ende gegangene Aktionswoche gelesen, darüber, dass bei einem Mahngang, der an die Ausschreitungen auf dem Kornmarkt erinnern sollte, nur sehr wenige Menschen anwesend waren. Ich hatte Hoffnung in die Bautzener*innen gesetzt, dass sie die Chance nutzen und ein Zeichen setzen. Diese Chance wurde genutzt, allerdings nur von wenigen. Dann ist man enttäuscht und antwortet auf die Frage, die einem dann unter dem Tweet gestellt wird, zu emotional.

Ich würde heute nicht mehr so antworten. Aus mehreren Gründen: Mein Verhältnis zur Stadt hat sich seit meiner Ankunft hier mehrfach gewandelt und mein Verhältnis zu Bautzen wurde im Laufe der Zeit immer besser. Ich lebe mittlerweile sehr gerne hier. Zudem habe ich gemerkt welche Reichweite einzelne Tweets haben können und überlege derzeit deshalb sehr genau, was ich veröffentliche und was ich besser nicht veröffentliche und es zuweilen lieber im direkten Kontakt versuche zu klären. Einen Tweet mit Bild, der eine Einzelperson “vorführte”, habe ich im Nachgang auch wieder gelöscht, wenngleich das Löschen auf Twitter absolut verpönt ist und ich es deshalb auch nicht mache. 

Aber was treibe ich eigentlich auf Twitter? Angemeldet bin ich seit September 2014. Ich nutzte den Account allerdings selten und primär für Kommunikation über Wissenschaft. Das änderte sich im September 2016 und fortan twitterte ich auch über Bautzen, Sachsen und alles, was mich so bewegt und umgibt. Die Zahl der Follower*innen stieg und der Account bekam mehr Reichweite. Ich twitterte eigentlich allen möglichen Kram, der eigentlich niemanden interessiert. Inzwischen habe ich über 9.000 Tweets in die Welt gesetzt: Bilder und Beschreibungen von alltäglichen Erlebnissen, von Demos und Veranstaltungen, Links zu Artikeln der SZ oder anderen Medienbeiträgen, Screenshots von Veranstaltungsankündigungen und sehr viel mehr. Dazwischen war dann auch mal ein Bild eines Hakenkreuzes an der Wand oder eben der junge Mann im Landser-Shirt auf dem Weihnachtsmarkt in Bautzen. 

Dieser Tweet erzeugte sehr viel Aufmerksamkeit, die von mir an dieser Stelle beispielsweise gar nicht intendiert war. Ich wollte lediglich einen Momenteindruck festhalten. Dieser wurde dann u.a. von Jan Böhmermann geteilt und schoß deshalb auf Twitter durch die Decke, sodass sich am folgenden Tag auch der Staatsschutz für den jungen Mann interessierte. 

Durch solche „Aktionen“ wurde meine Reichweite immer höher und die Tweets interessieren dadurch immer mehr Menschen. Dadurch kommt es zu deutlich mehr Interaktionen hier und ich twittere deutlich seltener, aber noch immer regelmäßig über Dinge, die ich sehe, lese, höre. Über wichtige und unwichtige Dinge aus dem Alltag und eben auch über rechte Strukturen in Bautzen. Letzteres entwickelte sich irgendwann zu einem Schwerpunkt des Accounts. Allerdings zeige ich immer auch die schönen Aktionen auf. Beispielsweise den Stand von „Bautzen bleibt bunt“ und „Willkommen in Bautzen“ bei der „Langen Nacht der Kultur“. 

Ich twitterte am 1. Mai darüber, dass „Bautzen bleibt bunt“ einen Infostand hat, aber eben auch, dass ein Mensch versuchte die Veranstaltung des DGB zu stören.

Ich versuche durch meine „Reichweite“ andere in Bautzen zu unterstützen: 

Ich mache aber auch weiterhin völlig sinnfreie Tweets, wie den über den Flohmarktbesuch mit einer Freundin und den anschließenden Heimweg. 

Und ich twittere nicht nur über Dinge, die ich in Bautzen sehe. Sehr oft gibt es Tweets zu Dresden oder wie zuletzt zu Löbau: 

Natürlich habe ich in den letzten Monaten sehr, sehr viel mehr getwittert. Dies ist nur ein sehr, sehr winziger Einblick in „die Welt von Twitter“. Ich habe ausschließlich Tweets mit Abbildungen gewählt, da diese sich für einen Blogbeitrag besser eigenen. Deshalb ist das Bild in dem Beitrag vielleicht auch etwas verzerrt. Ich twittere deutlich mehr über politische Themen. Ich möchte aber auch mein Privatleben etwas schützen, sodass “private Beiträge” eher selten Thema auf dem Account sind.

Wer sich einen genaueren Eindruck verschaffen möchte, ist dazu herzlich eingeladen: Zu Beginn des Beitrages habe ich die Wege aufgezeigt, wie sich jeder und jede selbst ein Bild machen kann über das, was ich auf diesem ominösen Twitter eigentlich über Bautzen schreibe.

Ein Gedanke zu „Ein Tweet unter vielen… “

  1. Sehr gut geschrieben. Uuuund du warst und bist authentisch. Eben drum wird mal etwas undiplomatischer gesagt, oder geschrieben. Aus der Situation heraus mit Emotionen wird eben nicht immer auf Wortwahl geachtet.
    Schade, dass das immer so selbstverständlich erwartet wird. Andere reagieren gar nicht.
    Alles richtig gemacht! Das macht dich/ uns menschlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.